Die Erbfolge ist grundsätzlich im Gesetz geregelt. Danach sind

  • Erben 1. Ordnung: Abkömmlinge, also Kinder, Enkel, Urenkel des Erblassers
  • Erben 2. Ordnung: Eltern, Geschwister, Neffen und Nichten des Erblassers sowie deren Kinder
  • Erben 3. Ordnung: Großeltern, Onkel und Tanten, Cousine und Cousin des Erblassers sowie deren Kinder

Unabhängig von dieser gesetzlichen Erbfolge können Sie anhand der konkreten Situation in Ihrer Familie durch eine testamentarische Verfügung (Verfügung von Todes wegen) das Vermögen beliebig  aufteilen.

Wenn ein Familienangehöriger verstirbt, müssen oftmals zugleich Formalitäten der Beisetzung, behördliche Formalitäten sowie Fragen zum Nachlass geregelt werden.

Nachdem das Standesamt die Sterbeurkunde ausgestellt hat, wird diese an das am letzten Wohnsitz des Erblassers zuständige Nachlassgericht weitergeleitet. Dort wird geprüft, ob eine Verfügung von Todes wegen in der Testamentskartei registriert ist. Ist eine solche verzeichnet, wird Termin zur Eröffnung dieser Verfügung bestimmt und die Erben werden hierzu förmlich eingeladen.

Sind Sie gesetzlicher oder testamentarischer Erbe, stellt sich für Sie zunächst die Frage, ob Sie die Erbschaft annehmen oder ausschlagen möchten. Für diese Überlegung besteht ein Zeitraum von sechs Wochen. Innerhalb dieser Zeit müssen Sie, wenn Sie die Erbschaft ausschlagen wollen, dies vor dem zuständigen Nachlassgericht erklären.

Haben Sie sich jedoch dazu entschieden, die Erbschaft anzunehmen, können Sie möglicherweise mit Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsansprüchen eines nahen Familienangehörigen konfrontiert werden, weil dieser durch eine testamentarische Verfügung enterbt worden ist. Pflichtteilsberechtigt sind u.a. die Abkömmlinge, Enkel sowie der Ehegatte des Erblassers.

Meist werden Sie als Erbe vom Pflichtteilsberechtigten aufgefordert, umfassend Auskunft über den Bestand des Nach-lasses im Zeitpunkt des Erbfalls zu erteilen sowie, falls der Erblasser verheiratet war, den Güterstand im Zeitpunkt des Erbfalls mitzuteilen und ein privatschriftliches Bestandsverzeichnis vorzulegen. Dies ist der Zeitpunkt, zu dem viele Mandanten anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen, da entweder keine oder  fehlerhafte Auskünfte erteilt wurden oder sich die Ermittlung der Aktiva und Passiva des Nachlasses als sehr kompliziert erweist.

Konnte der Wert des Nachlasses ermittelt werden, ist die Höhe des Pflichtteilsanspruchs zu beziffern. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils und ist ein reiner Geldanspruch. Ist genug Barvermögen vorhanden, stellt die Auszahlung des Pflichtteils kein Problem dar.

Kompliziert wird es, wenn ein hoher Pflichtteilsanspruch geltend gemacht wird, weil ein Grundstück zum Nachlass gehört, auf welchem der überlebende Ehegatte wohnt, und nur wenig Barvermögen vorhanden ist. Möglich ist hier ein Antrag des Erben an das Amtsgericht mit dem Ziel, eine Stundung des Pflichtteils zu verlangen, wenn die sofortige Erfüllung des gesamten Anspruchs für den Erben wegen der Art der Nachlassgegenstände eine ungewöhnliche Härte wäre.

In erbrechtlichen Angelegenheiten richten sich die Rechtsanwaltskosten nach dem Gegenstandswert, sofern keine Vergütungsvereinbarung abgeschlossen wurde. U.U. können die Kosten auch von einer Rechtsschutzversicherung übernommen werden. Wer diese Kosten nach seinen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen nicht aufbringen kann, hat die Möglichkeit, beim zuständigen Amtsgericht Beratungshilfe zu beantragen.